„Das Stipendium erleichtert vieles“

Alina Stirtz, 25, ist inRussland geboren, hat in Finnland Kindheit und Jugend verbracht, in Moskau Sozialarbeit studiert – und lebt heute gemeinsam mit ihrem Mann in Konstanz. Ihr großer Wunsch: in Deutschland Sozial- oder Non-Profit-Management zu studieren.

Protokoll: Iris Hobler. Foto: privat

Ich lebe seit einem Jahr ganz in Deutschland. Anfangs hatte ich große Angst, dass ich schwer Deutsch lerne. Die Artikel sind kompliziert und ich überlege bei vielen Sätzen immer noch, wohin ich das Verb stelle.

Heinrich ist Deutscher. Wir haben uns in Moskau kennengelernt, wo er Jura studiert hat. Aber die Situation in Russland ist nicht so gut, und wir haben uns gemeinsam dafür entschieden, hier zu leben. Ich musste noch zwei Jahre studieren, um mein russisches Diplom in Sozialarbeit zu bekommen. In der Zeit bin ich zwischen Konstanz und Moskau gependelt. Da hatte ich Zeit, um mit Büchern ein wenig die Sprache zu lernen.

Ohne Heinrich wäre es für mich sehr schwierig, Anträge auszufüllen oder Briefe zu verstehen. Ich kann mich deshalb sehr gut in geflüchtete Menschen hineinversetzen: Für sie ist es noch viel schwerer, sie haben meistens niemanden im neuen Land.

Seit einigen Wochen habe ich durch mein Praktikum bei der Caritas viel Kontakt zu Geflüchteten. Ich helfe bei der Kinderbetreuung und unterstütze Frauen beim Lernen. Die Sprachberatung und die Verwaltung der Caritas habe ich schon kennengelernt und in Radolfzell im Sprachcafé mitgearbeitet. Das Praktikum wird ein Jahr dauern. Es ist Vollzeit und Voraussetzung für die Anerkennung meines russischen Studiums in Deutschland.

Die andere Voraussetzung ist ein Sprachkurs. Sieben Stunden pro Woche lerne ich, zusammen mit Menschen aus vielen Ländern der Welt. Für das Praktikum bekomme ich 300 Euro. Deshalb habe ich nebenbei einen Minijob. Eine Mitarbeiterin der Caritas hat mir von der Möglichkeit berichtet, ein Stipendium zu beantragen. Ich war sehr glücklich, als ich wusste, dass ich nun ein Jahr lang jeden Monat 500 Euro bekomme. Das erleichtert vieles, denn Heinrich studiert ja noch.

Wenn mein Diplom im nächsten Jahr anerkannt wird, möchte ich sehr gerne meinen Master in Sozial- oder Non-Profit-Management machen. Eine Arbeit in einer Stiftung, in einem Wohlfahrtsverband oder im Gesundheitswesen, das würde mich interessieren.

Mit der Entscheidung, hier zu leben, bin ich sehr zufrieden. Hier ist das Wetter toll. In Finnland und in Russland ist es viel kälter, vor allem im Winter.


Pragmatische Hilfe beim Weg in den Job
Eine Physiotherapeutin aus Bulgarien, ein Arzt aus Syrien, eine Lehrerin aus der Ukraine – wenn sie in Deutschland leben und arbeiten wollen, müssen sie ihre ausländischen Abschlüsse anerkennen lassen. Mit den sogenannten Anerkennungsgesetzen hat die Politik den Rechtsanspruch von Migranten geregelt, ihre Qualifikationen auf Gleichwertigkeit mit inländischen Berufsqualifikationen prüfen zu lassen. Genau da setzt das Stipendienprogramm Berufliche Anerkennung der Baden-Württemberg Stiftung an: Menschen direkt und pragmatisch dabei zu unterstützen, ihre im Ausland erworbenen Berufs- und Studienabschlüsse anerkannt zu bekommen. Das Bildungsprogramm befähigt sie somit, ihre Chancen auf Zugang zu einer qualifikationsadäquaten Beschäftigung zu verbessern. Eine wichtige Maßnahme mit Blick auf den erhöhten Fachkräftebedarf in Baden-Württemberg und die steigende Anzahl geflüchteter Menschen.

Zwei Fördervarianten sind möglich: eine Einmalzahlung von maximal 1.000 Euro oder eine monatliche Unterstützung für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr. Insgesamt stellt die Baden-Württemberg Stiftung dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung. Programmdienstleister ist das Interkulturelle Bildungszentrum Mannheim (ikubiz). Die vollständigen Bewerbungsunterlagen stehen unter www.ikubiz.de zum Herunterladen bereit. Mehr zum Stipendienprogramm Berufliche Anerkennung, das bis Ende 2018 läuft, unter www.bwstiftung.de/berufliche-anerkennung-bw

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