„Das Projekt mit den Jugendlichen war für mich eine riesige Motivation“

Schülerinnen und Schüler für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern ist das Anliegen unseres Programms mikro makro mint. Teilnehmer erwartet dabei ein besonderes Highlight – sie dürfen mit dem Forschungsschiff ALDEBARAN den Bodensee erkunden und dabei wie echte Wissenschaftler arbeiten. Ihr Kapitän, Biologe Frank Schweikert, erklärt hier, warum das schwimmende Labor für die Nachwuchsforscher so faszinierend ist.

Interview: Rolf Butscher

Was brachte Sie auf die Idee, ein Schiff in ein schwimmendes Forschungslabor umzubauen, Herr Schweikert?

In unserer Gesellschaft geben wir viel Geld, aus um Wissen zu schaffen – doch wir investieren viel zu wenig, um dieses Wissen wieder mit der Gesellschaft zu teilen. Hier möchte ich als passionierter Segler und Taucher einen möglichst effizienten Beitrag leisten und gleichzeitig etwas für unser größtes Ökosystem tun: das Meer. Die Kommunikation über die elektronischen Medien, die wir damit leisten können, ist mit geringem Aufwand sehr effektiv.

Was ist das Besondere an der ALDEBARAN?

Die ALDEBARAN ist eines der wenigen Forschungsschiffe, das mit einem ganz geringen ökologischen Fußabdruck auskommt, und eignet sich besonders für den Einsatz in Küstengewässern – also dort, wo der Mensch direkt mit dem Meerwasser in Berührung kommt. Das sind zugleich die biologisch wichtigsten und interessantesten Gebiete des Meeres. 

Wie kam der Kontakt zur Baden-Württemberg Stiftung zustande?

Die starke Medienpräsenz unseres Projektes „Meereswettbewerb“ hat die Neugier auch in Baden-Württemberg geweckt. Und ich finde es großartig, das Schiff in dem Bundesland einzusetzen, aus dem ich stamme.

Wie haben Sie die zwei Wochen an Pfingsten mit den Jugendlichen an Bord erlebt?

Wie auch beim Meereswettbewerb waren die Schülerinnen und Schüler exzellent vorbereitet und sehr neugierig und wissbegierig. Es gibt für mich keine größere Freude, als jungen Menschen die Faszination und das Wissen im Rahmen einer realen Forschungsexpedition weiterzugeben. Die Begeisterung, die dadurch geweckt wird, hält meist ein Leben lang an.

Was hat Sie an den Arbeiten der Schülerteams am meisten beeindruckt?

Alle Expeditionen haben gezeigt, dass es bereits in der Schule viele Kinder und Jugendliche gibt, die auf universitärem Niveau in der Lage sind selbstständig zu arbeiten, Probleme und Zusammenhänge zu erkennen – und vollständig zu lösen. Bereits mit 14 Jahren einen Plastikfilter für Waschmaschinen zu entwickeln oder mit 17 einen Schwermetallionensensor für die Industrie zu bauen, der anschließend beim Wettbewerb „Jugend forscht“ einen Bundespreis gewinnt, ist einfach sensationell. 

Welche Erfahrung nehmen Sie aus dem Projekt mit den jungen Forschern mit?

Das Projekt ist für mich eine riesige Motivation, genau so weiterzumachen und noch mehr finanzielle Unterstützung für vergleichbare Initiativen junger Forscher zu organisieren. Zum Beispiel planen wir jetzt eine internationale Zusammenarbeit mit Frankreich und anderen Ländern. 

Wer nutzt das Schiff sonst, und welche Aufgaben erfüllt es?

Die ALDEBARAN wird hauptsächlich von Wissenschaftlern eingesetzt, die im Flachwasser arbeiten wollen und für die es ein ganz wichtiges Anliegen ist, dass ihre Erkenntnisse nicht in staubigen Regalen liegen bleiben. Im Vergleich zu anderen Forschungsschiffen ist die Plattform auch kurzfristig verfügbar und deswegen sehr attraktiv und beliebt.

Was ist Ihr Ziel für die Zukunft?

Mit unserem Medien-Labor an Bord wollen wir erreichen, dass die Botschaft über die riesige Bedeutung der Ozeane für unser Überleben auf der Erde möglichst schnell und attraktiv weiter getragen wird. Im Gegensatz zu anderen wichtigen Überlebensbereichen haben die Ozeane keine eigene Stimme. Es ist mir daher ein wichtiges Anliegen, ihm eine starke Stimme zu geben. Denn, wie die jüngste Tochter des Schriftstellers Thomas Mann, Elisabeth Mann Borgese, schon richtig sagte: „Die Meere werden uns eines Tages dazu zwingen, dass wir global alle zusammenarbeiten.“

Vielen Dank, Herr Schweikert.


Frank Schweikert
(*1963 in Schramberg/Schwarzwald) ist Biologe und Journalist. Er leitet das Team des Forschungsschiffs ALDEBARAN. Seit seinem 14. Lebensjahr arbeitete er als Journalist: zunächst für verschiedene Tageszeitungen, später beim Südwestfunk als Assistent des Programmdirektors von SWF3 in Baden-Baden. 1983 und 1984 war er Redakteur beim Bataillon für psychologische Verteidigung der Bundeswehr in Andernach (Rheinland-Pfalz). Nach seinem anschließenden Biologiestudium in Stuttgart und München beteiligte sich Schweikert am Aufbau von zwei privaten regionalen Hörfunksendern in Reutlingen und Stuttgart, wo er auch als Moderator arbeitete. 1990 kaufte er das von einem Sturm beschädigte Segelschiff ALDEBARAN und baute es gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern und Handwerkern zu einem Forschungs- und medienschiff samt integriertem Rundfunkstudio um. 1992 fand die Schiffstaufe statt. Seither dient die ALDEBARAN als Plattform für Meereswissenschaftler und hin und wieder als schwimmendes Labor für junge Nachwuchsforscher.

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