Heidelberg goes Hollywood

Am Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) in Heidelberg schreiben Jugendliche in Autorenteams an Drehbüchern. Unterstützt werden sie dabei von dem Dokumentarfilmer Olaf Schlippe.

Protokoll: Anette Frisch. Fotos: Friederike Hentschel

Ein halbnackter junger Mann liegt auf einem Bett. Laken sind um ihn gewickelt. Er blickt starr an die Decke, wirkt abwesend. Aaron Young, 21, ist blass, hat schwarze Haare. Eine große Narbe verläuft über seinen Brustkorb. Aus der Ferne dringen Sirenengeräusche ins Zimmer. Sie werden immer lauter. Aaron macht laute Elektromusik an, er will die Sirenen nicht hören, und geht ins Bad. Er blickt in den zerbrochenen Spiegel. Unter seinen Augen zeichnen sich tiefe Ringe ab. Er ist angespannt, öffnet den Badezimmerschrank, in dem sich mehrere Reihen ordentlich drapierter und beschrifteter Tablettendosen befinden(…)

Dies ist eine Szene aus dem Drehbuch der Fantasy-Serie „The Essence“, an der die Autorinnen Dominika Kosler, Lisa Collmer und Lisa-Marie Lutz derzeit arbeiten. Die Hauptcharaktere ihrer Geschichte sind Aaron, Lila und Noah. Die drei haben durch Nahtoderfahrungen übersinnliche Fähigkeiten erlangt. Sie können zum Beispiel die Erinnerungen anderer lesen, in ihren Träumen den Tod eines Menschen voraussehen oder unsichtbare Energiepfade aufspüren.

Die jungen Autorinnen nehmen an einem so genannten Writers’ Room des Heidelberger Deutsch-Amerikanischen Instituts (DAI) teil. In einem Writers’ Room schreiben mehrere Autoren an einem Drehbuch. Erfolgreiche Serien wie „Game of Thrones“, „Breaking Bad“ oder das dänische Politformat „Borgen“ sind so entstanden. Seit 2014 bietet das DAI einen Writers’ Room für Erwachsene an; Mitte 2015 konnten sie mit Unterstützung der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des Programms Jugend-Kultur-Werkstatt ihren ersten Young Writers’ Room eröffnen.

dai Jugend -Writer«s Room
Nachwuchsautoren treffen sich im Writer’s Room

Die Wohnung ist ein heilloses Durcheinander. Es riecht nach Alkohol. Noah beugt sich über seine Mutter Grace und schüttelt hilflos ihre Schultern. Seine Mutter stöhnt und versucht die Augen zu öffnen.

Auf einmal packt sie seinen Arm und Noah wird in ihre
Erinnerung gerissen. Er erlebt nun alles aus ihrer
Perspektive.

FLASHBACK, VISION

Ein Mann hat Grace am Hals gepackt und würgt sie. Sie
bekommt keine Luft und versucht um Hilfe zu rufen. Sie
streckt die Hand nach ihrem kleinen Sohn, Noah, aus, der
verstört in einer Ecke kauert und sie mit großen Augen
anstarrt (…)

Rund 22 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren lernen in regelmäßigen Workshops, wie sie eine Story dramaturgisch überzeugend aufbauen, Charaktere und Dialoge entwickeln. Insgesamt sechs Autorenteams gibt es im Young Writers’ Room. Die meisten der Drehbuchschreiber kommen aus Schulen in der Region. Manche von ihnen verfolgen das Ziel, sich mit dem Ergebnis an der Filmhochschule Ludwigsburg zu bewerben. Um die Jugendlichen dabei zu unterstützen, einen Trailer zu erstellen, kooperiert das DAI mit anderen Organisationen, wie beispielsweise dem Mannheimer Filmbüro Girls Go Movie oder dem Freiburger Jugendfilm-Gruppe Blackwood Films , das auch über die Baden-Württemberg Stiftung gefördert wird.

Vor einem großen Fenster sitzen sich Lila und die Psychologin Rosemary Fleming gegenüber. Fleming, ist eine unscheinbare Frau, die nervös mit einem Kugelschreiber auf die Lehne ihres Sessels klopft.

LILA: Ich verstehe ihn einfach nicht mehr. Wir reden wie früher, aber es fühlt sich alles so falsch an. Es
ist anders seit dem… seit…
(stockt)

FLEMING: Es ist okay, gib dir Zeit.
(…)

dai Jugend -Writer«s Room
Writer’s Room

Dass der Traum von einer Zukunft beim Film nicht abwegig ist, zeigt das erste Interesse von UFA Fiction. Vertreter der Ludwigsburger Filmproduktion hatten sich im Rahmen von Präsentationen des Erwachsenen-Writers’ Room auch die der Jugendlichen angeschaut. Die Geschichte der Gruppe „Die Nachsitzer“ hatte den Filmschaffenden besonders gefallen – sie beobachten das junge Autorenteam und ihre Story.

CUT zu: Tempel von Bellona, Kew – Nacht

LILA: Da vorne ist er.
Sie zeigt auf den Tempel, den sie in ihrem Traum gesehen
haben. Irgendwo hier muss auch dieser Baum sein.

NOAH: Da!
Er zeigt auf eine große Linde. Mit ihren gelben Blättern ist sie auch im Nebel nicht zu übersehen. Er legt den Kopf schief und lauscht. Das Summen hat wieder eingesetzt.

NOAH: Hörst du das?

LILA (beunruhigt): Ja.

Sie laufen auf den Baum zu. Das Summen wird lauter. Jetzt
erkennen sie Rosemary Fleming, die leblos am Baumstamm lehnt. Ihre hellblaue Bluse ist blutdurchtränkt.

In ihrem Schädel steckt eine große Scherbe.
(…)

Wir machen unser Ding!
Wie die Geschichte von Aaron, Lila und Noah weitergeht, wie die Jugendlichen das Schreiben im Team empfinden und welches ihre absolute Lieblingsserie ist – das verraten sie in kurzen Videos hier.

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