Auftaktveranstaltung „Über den Umgang mit Populisten: Strategien für unsere Demokratie“

Am 16. Februar 2017 startete unter dem Titel Perspektiven eine neue Veranstaltungsreihe der Baden-Württemberg Stiftung. Journalisten, Wissenschafter, Politiker und Bürger kamen dabei zu Wort, um aktuelle Themen und Problemlagen zu thematisieren und ganz unterschiedliche Sichtweisen aufzuzeigen.

Auf dem Podium diskutierten:

Michel Abdollahi, Journalist und Künstler (u.a. NDR)
Stefanie Beck
, Leiterin „Team meX. Mit Zivilcourage gegen Extremismus“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

Monsignore Dr. Christian Hermes, Stadtdekan Stuttgart
Prof. Dr. Jan-Werner Müller
, Politikwissenschaftler und Populismusforscher (Princeton University)

Einführung: Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go
Moderation: Ines Arland

Die Aufzeichnung der Podiumsdiskussion finden Sie hier:

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Baden-Württemberg Stiftung: Podiumsdiskussion zeigt Strategien für den Umgang mit Populismus

Demokratie braucht Optionen und Debatten

Rund 150 Gäste trafen sich am 16. Februar 2017 im Foyer der Baden-Württemberg Stiftung, um über den Umgang mit Populisten und Strategien für unsere Demokratie zu diskutieren. Auf der Bühne sprachen der renommierte Populismusforscher Jan-Werner Müller, der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes, Extremismus-Expertin Stefanie Beck und Journalist Michel Abdollahi.

Während der mehr als einstündigen Diskussion wurde das Thema von allen Seiten beleuchtet; es ging um Rechts- und Linkspopulisten, um europäische wie auch internationale Entwicklungen. Die unterschiedlichen Perspektiven der Podiumsgäste sorgten für reges Feedback des Publikums – auch bei Vertretern der AfD, die Aussagen der Diskussion als „Hate Speech“ einordneten und fragten, ob es nicht Politikern eigen sei, Fake News zu verbreiten. Dieser Ansicht widersprach das Auditorium vehement. Der Aufforderung Jan-Werner Müllers, „reden Sie mit Leuten, mit denen Sie normalerweise nicht reden“, kamen auch Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Ministerin Susanne Eisenmann und viele Abgeordnete des Landtags nach, die sich mit den Gästen bis in den späten Abend austauschten.

„Eine Demokratie muss nicht nur wehrhaft sein, sondern auch streitbar“, erklärte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, in seiner Eröffnungsrede. „Das bedeutet, dass wir Populisten nicht ausgrenzen, sondern uns in aller Deutlichkeit abgrenzen. Wir brauchen eine knallharte Auseinandersetzung.“ Dahl verwies auf das geplante Programm „Demokratie stärken – Demokratie leben“ der Stiftung, das Jugendliche widerstandsfähig machen soll gegen populistische und extremistische Tendenzen und noch 2017 starten soll.

Populismusforscher Prof. Jan-Werner Müller, der seit 2005 in den USA lebt und an der Princeton University lehrt, erklärte zum Auftakt des Gesprächs das Phänomen Populismus aus wissenschaftlicher Perspektive und nannte als primäres Erkennungsmerkmal eines Populisten seinen Alleinvertretungsanspruch. „Populisten geben vor, das wahre Volk oder die schweigende Mehrheit zu vertreten. Sie fechten Wahlen an, in denen sie nicht gewinnen und behaupten, das ganze System sei falsch, weil sie nicht gewonnen haben. Das ist nicht ok. Sie erschüttern damit das Vertrauen vieler Menschen, und die politische Kultur als Ganzes nimmt Schaden.“ Politikern empfiehlt Müller: „Bieten Sie mehr als eine Lösung an, denn Demokratie braucht Optionen und Debatten.“

Stadtdekan Monsignore Dr. Christian Hermes zeigte sich beunruhigt, „dass angesichts der Unübersichtlichkeit einer globalisierten Welt ausgerechnet nationalistische Konzepte aktuell wieder als Heilmittel attraktiv werden, obwohl sie historisch auf ganzer Linie gescheitert sind.“ Deshalb gab er zu bedenken: „Auch wer schweigt, übernimmt Verantwortung. Wir müssen uns hinstellen und sagen: Nein, so spricht man nicht mit anderen Menschen und auch nicht über eine der großen Weltreligionen. Überall, wo Menschen diffamiert werden, müssen wir als Christen, als Bürger und Menschen aufstehen und sagen: So nicht.“

Podiumsgast Stefanie Beck von der Landeszentrale für politische Bildung weiß: „Demokratie ist anstrengend, sie muss immer wieder neu erarbeitet werden. Der Mensch kommt nicht als Demokrat zur Welt, er muss durch Bildungsprozesse lernen, dass ein Staat, in dem die Macht auf möglichst vielen Schultern lastet, die größtmögliche Freiheit für seine Bürger bietet. Deshalb müssen wir Demokratiebildung betreiben.“ Ihre Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen zeigten, dass diese angesichts der medialen Komplexität zwar nicht gänzlich hilflos seien, aber dass man ihren Blick im Umgang mit neuen Themen wie Social Bots oder Fake News schulen müsse.

Der Hamburger Journalist und Künstler Michel Abdollahi sorgte mit seinem nordischen Humor im Laufe des Abends immer wieder für Lacher. Anfangs sagte er, er sei grundsätzlich nicht um unsere Demokratie besorgt: „Alles ist gut, draußen fahren keine Panzer vorbei, und nur weil Trump irgendeinen Blödsinn auf Facebook postet, bricht nicht gleich die Welt zusammen.“ Aber er ergänzte: „Es ist heute durch das Internet alles sichtbarer geworden, und wir müssen eben lernen, damit umzugehen.“ Im Zuge dessen schlägt er vor, ein Schulfach einzuführen, „um unseren Kindern beizubringen, wie sie nicht auf Fake News und Populismus reinfallen.“ Außerdem ist es ihm wichtig, die Debattenkultur aufrecht zu erhalten, und sich auch immer wieder in öffentliche Dialoge einzuschalten, damit am Ende der Inhalt gewinnt.

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Die Podiumsteilnehmer mit dem Geschäftsführer der BW Stiftung, v.l.n.r:
Monsignore Dr. Christian Hermes, Stefanie Beck, Moderatorin Ines Arland, Michel Abdollahi, Christoph Dahl und Prof. Dr. Jan-Werner Müller.
Foto: KD Busch.

Weitere Fotos zur Veranstaltung finden Sie hier.

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