Editorial

Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung

Innerhalb kurzer Zeit hat sich die demokratische Welt extrem verändert. Populistische Tendenzen haben sich erschreckend schnell ausgebreitet – sogar vor unserer eigenen Haustür, wo die AfD bei der letzten Landtagswahl aus dem Stand 15 Prozent erreicht hat. Die Erfolge der PiS in Polen, der FPÖ in Österreich, des Front National in Frankreich, schließlich der Brexit und die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten empfinden viele Menschen als schockierend.

Das Phänomen des Populismus ist ein Rätsel. Viele Erklärungsversuche wurden unternommen, aber bisher hat niemand ein Rezept dagegen gefunden. Offensichtlich sind Teile der Gesellschaft in Europa und den USA enttäuscht von den politischen Eliten und fühlen sich abgehängt von der Globalisierung. Andere haben einfach Angst vor Überfremdung und gesellschaftlichen Umbrüchen.

Am augenscheinlichsten bei der Verbreitung des Populismus ist die Unehrlichkeit dieser Bewegung: Zu komplizierten Problemen werden scheinbar einfache Lösungen aufgezeigt. Statt auf Fakten zu setzen, zielen Populisten auf die Gefühle der Menschen. Die Wähler schenken ihnen Glauben, ohne Wert darauf zu legen, dass ihre Aussagen der Wahrheit entsprechen. Dies ist umso schmerzvoller, da wir in einer Welt leben, in der dank des Internets die Überprüfung jeder beliebigen Information nur ein paar Klicks entfernt ist. Aber in der sich eben auch Lügen lawinenartig verbreiten und als gefühlte Wahrheiten Populisten zum Wahlerfolg verhelfen.

In dieser Ausgabe unseres Magazins möchten wir das Phänomen Populismus aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachten. Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller und Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling erklären uns die Geschehnisse genauer. Politiker und Politikerinnen wie Muhterem Aras, Norbert Lammert oder Norbert Blüm schildern uns ihre Sicht der Dinge. Aber auch Journalisten, die aufgrund ihrer Berichterstattung Ziel von Anfeindungen geworden sind, kommen in dieser Ausgabe zu Wort, darunter Michel Abdollahi aus Hamburg oder Cornelia Spitz vom Schwarzwälder Boten.

Wir sind davon überzeugt, dass es zu unserer repräsentativen Demokratie keine Alternative gibt, dafür steht dieses Magazin. Mit Maßnahmen zur politischen Teilhabe, zur Völkerverständigung und Förderung von Integration möchten wir als Stiftung dem Populismus Fakten und Wissen entgegen setzen. Wir hoffen, dass auch Sie sich die Zukunft unseres Landes nicht ohne gelebte Demokratie und Gleichbehandlung aller Mitbürger vorstellen können.

 

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