Die Walzen-Waschmaschine

Ein Schüler aus Ochsenhausen hat beim Artur Fischer Erfinderpreis gehörig abgeräumt – mit einem innovativen Reinigungsgerät für Farbwalzen. Es war der Abend von Maximilian Janik. Als einziger Bewerber aus 30 Teams von erwachsenen und jugendlichen Erfindern stand der 17-Jährige bei der Verleihung des Artur Fischer Erfinderpreises gleich zweimal auf dem Siegerpodest. Er erhielt den ersten Preis in der Kategorie „Weiterführende Schulen“ – und den erstmals verliehenen Sonderpreis Ressourcen-Effizienz der Unternehmensgruppe fischer

Text: Rolf Metzger. Fotos: KD Busch

Der findige Schüler vom Gymnasium Ochsenhausen bei Biberach überzeugte die Juroren mit der Erfindung eines neuartigen Reinigungsgeräts für Farbwalzen – eines Werkzeugs, das professionelle Maler und Hobbyheimwerker millionenfach zum Streichen von Wänden oder Decken verwenden. Als Lohn für seine überzeugende Leistung durfte Maximilian Janik insgesamt 7.000 Euro Preisgeld und einen nagelneuen 3D-Drucker von fischertechnik mit nach Hause nehmen.

„Auf die Idee zu meiner Erfindung hat mich Tobias Beck gebracht, mein Betreuer im Forscherteam bei uns an der Schule“, berichtet der junge Tüftler. Physiklehrer Beck ist auch Leiter des Schülerforschungszentrums (SFZ) Südwürttemberg, das einen Standort in Ochsenhausen hat. Aus Gesprächen bei der Firma RS Farbroller, einer Manufaktur für Malerartikel in Baienfurt, wusste er: Farbwalzen sind Wegwerfprodukte. Die meisten Handwerksbetriebe entsorgen sie nach dem ersten Gebrauch, statt sie zu reinigen und erneut zu benutzen. Der Grund: Die Werkzeuge gründlich zu säubern, war bislang nur in mühsamer Handarbeit möglich. Und die verschlang überdies große Mengen an sauberem Wasser.„So kommt beim Streichen ordentlich was an Abfall zusammen“, beklagt Maximilian Janik. Pro Arbeitstag landen in Deutschland laut Schätzungen zehntausende Farbwalzen im Müll. Diese Umweltbelastung und Ressourcenverschwendung spornte den Schüler an, nach einer einfachen und sauberen Lösung zu suchen.

Mit Unterstützung durch seinen Lehrer und Betreuer entwickelte der Gymnasiast ein cleveres neues Konzept für einen Farbwalzenreiniger – und machte sich zwei simple physikalische Vorgänge zunutze: Rotation und Reibung. Das Resultat erinnert ein wenig an eine alte Kaffeemühle: Auf einem kastenförmigen Gehäuse steckt eine Handkurbel. Damit lässt sich eine Vorrichtung im Inneren des Kastens drehen. Dabei rotiert eine Farbwalze in einem Wasserbad. „An der Seite ist eine Bürste angebracht, die die Walze während der Rotation reinigt“, erklärt der junge Forscher. Um auch schwer zugängliche Enden der Walze von Farbresten zu befreien, enthält seine Erfindung außerdem eine turbinenförmige Halterung, die das Wasser gezielt an die Walzenränder spült.

Mit Wasser befüllen lässt sich die Maschine einfach mit einem Eimer oder durch einen Gartenschlauch. Dazu ist die Reinigungstrommel mit passenden Anschlüssen versehen. Am Ende der wenige Minuten dauernden Wäsche kann man die Farbwalze noch trockenschleudern – danach verlässt sie die Apparatur fast wie neu.

Für die Umsetzung seiner Idee hat Maximilian Janik monatelang nach Schulschluss und an Wochenenden gegrübelt, experimentiert und gebaut – und dazu auch seinen Vater mit eingespannt. „Der arbeitet in einem Ausbildungsbetrieb für Fräsen und Drehen – an CNC-Maschinen“, sagt der Gymnasiast. „Und eine solche computergesteuerte Maschine steht auch bei uns zuhause in der Werkstatt.“ Ein Glücksfall für den jungen Erfinder: „Die Anlage konnte ich nutzen, um die meisten Komponenten des Reinigungsgeräts zu fertigen“, berichtet Maximilian Janik. Beim Herstellen der filigranen Miniturbine für die Walzenenden half ihm ein 3D-Drucker.

Schon früh bemühte sich der Schüler um Anerkennung und Feedback für seine Erfindung. Im Frühjahr 2016, etwa ein halbes Jahr nach der ersten Idee, war er damit beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“. Doch da war das Gerät noch nicht ausgereift und kaum anwendungstauglich. „Die Erfindung danach bis zur Praxisreife weiterzuentwickeln, war für mich die härteste Nuss“, sagt Maximilian Janik.

Im Oktober 2016 präsentierte der Nachwuchsforscher dann seine Entwicklung auf der iENA, der internationalen Fachmesse für Ideen, Erfindungen und Neuheiten in Nürnberg – einem Mekka für Erfinder. Das stolze Ergebnis für Maximilian Janik: eine Bronzemedaille und der Ehrenpreis der afrikanischen Republik Angola, des Partnerlands 2016 der Erfindermesse.

„Leider habe ich es zunächst versäumt, meine Erfindung rechtlich schützen zu lassen“, bedauert Maximilian Janik. Das will er nun, nach seinem bislang größten Erfolg beim Artur Fischer Erfinderpreis, nachholen. Zur Seite stehen ihm auch dabei Tobias Beck und das SFZ. Der Weiterentwicklung seiner Reinigungsmaschine zu einem einträglichen marktreifen Produkt steht dann nichts mehr im Weg. Interessenten aus der Industrie gibt es bereits dafür, verrät der Schüler – welche, das ist im Moment noch Erfindergeheimnis. Doch der Markt für die Idee ist groß: Malerbetriebe könnten die pfiffige Waschmaschine künftig auf der Baustelle oder in ihren Fahrzeugen nutzen – und so dazu beitragen, den Müllberg zu reduzieren.

 


Erfindungen haben ihren Preis

Der Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg wird seit 2001 alle zwei Jahre vergeben – an private Erfinderinnen und Erfinder sowie an kreative Schülerteams mehrerer Altersstufen. Getragen wird der Wettbewerb von einer Stiftung, die der 2016 verstorbene Dübel-Erfinder und Unternehmer Prof. Artur Fischer zusammen mit der Baden-Württemberg Stiftung gegründet hat. Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis für private Erfinder gewann dieses Jahr Jochen Benz. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre aus Radolfzell hat einen Stirlingmotor entwickelt, mit dem sich elektrische Energie aus Abwärme gewinnen lässt.

Seit der Gründung der Stiftung wurden über 200.000 Euro Preisgelder an private erwachsene Erfinder und rund 100.000 Euro an Schülerteams vergeben. 2017 durften sich die Sieger des Wettbewerbs über insgesamt 38.000 Euro Preisgeld freuen. Dazu kommen 5.000 Euro für den neuen Sonderpreis für Ressourceneffizienz der Unternehmensgruppe fischer. Infos über alle Preisträger, ihre prämierten Erfindungen sowie die Regularien für die Bewerbung finden Sie unter: www.erfinderpreis-bw.de

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