Von den Alten lernen

Wildkräuter sammeln und unter den Salat mischen. Den Abfall aus der Küche kompostieren. Den Tisch vom Sperrmüll wiederaufarbeiten. Es gibt zahllose Möglichkeiten, Ressourcen im Alltag sinnvoll zu nutzen …

Text: Iris Hobler. Foto Malte Mäckleburg

Vieles davon ist älteren Generationen noch sehr vertraut: Sie haben Zeiten erlebt, in denen Mangel herrschte und das selbstverständlich war, was heute als „nachhaltiger Umgang“ bezeichnet wird. Hier setzt das Projekt „Zurück in die Zukunft“ der Naturschutzjugend Weil der Stadt an: Seniorinnen und Senioren erzählen Grundschulkindern davon, wie ihr Alltag früher ausgesehen hat.„Außerdem werden sie gemeinsam mit den Kindern aktiv,“ sagt Anne Mäckelburg, Leiterin der Naturschutzjugend. „Gemeinsam backen sie Brot, machen Exkursionen auf Streuobstwiesen oder reparieren Fahrräder.“

Wichtiges Ziel der Naturschutzjugend: die Kinder für die Verschwendung von Ressourcen zu sensibilisieren. Der Besuch von Müllplätzen und Recyclinganlagen gehört daher zum Projekt dazu. „Die Kinder sind immer wieder total erstaunt, wenn sie sehen, welche unglaublichen Mengen an Abfall wir täglich produzieren“, sagt Anne Mäckelburg. „Zurück in die Zukunft“ ist eines von 75 Projekten, die seit sechs Jahren im Rahmen des Programms Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft unterstützt werden. Initiatoren dieses Programms sind die Baden-Württemberg Stiftung und die Heidehof Stiftung.

 


Hartmut Bauer, 65, ist einer, der gern und geduldig erklärt.

„Ich bin in den 1950er-Jahren aufgewachsen, da gab es nicht diesen Überfluss. Wenn etwas kaputtgegangen ist, haben wir es wieder repariert. Das hat mir mein Vater beigebracht. Heute findet das so nicht mehr statt. Eltern beschäftigen sich weniger mit ihren Kindern und haben wohl auch selbst nicht gelernt, wie man Dinge richten kann. In meinem Beruf als Landmaschinenmechaniker habe ich über 40 Jahre lang Dinge wieder in Ordnung gebracht. Und jetzt gebe ich es halt an andere weiter. Bei der Naturschutzjugend repariere ich mit den Kindern Fahrräder. Viele verstehen die Mechanik nicht. Deshalb zerlegen wir die Räder und schrauben sie wieder zusammen. Die Kinder sollen irgendwann einen Plattfuß allein flicken können. Viele sind schon nach fünf Minuten nicht mehr richtig dabei. Ich denke, das ist so, weil Handys und Computer sie andauernd ablenken. Es gibt aber auch Kinder, die machen gern was mit ihren Händen. Tyler ist so einer. Sein Rad brauchte letztens einen neuen Schlauch. Er hat viel gefragt und war über eine Stunde lang ganz vertieft. Ich möchte den Kindern vermitteln, dass die Dinge einen Wert haben. Auch wenn sie anscheinend kaputt sind. Dieses schnelle Wegschmeißen, das tut uns allen nicht gut.“

 

Tyler ist elf Jahre alt und geht in die vierte Klasse.

„Das Leben früher war anstrengender als heute. Frau Schmalfuß hat uns erzählt, dass sie ihren Schulranzen selbst genäht hat. Und Herr Bauer hatte einen langen Schulweg, den er zu Fuß gegangen ist. In der Schule gab es keine Hefte, sondern kleine Tafeln aus Schiefer. Die konnten leicht kaputtgehen. Wir haben heute Hefte und schmeißen sie manchmal weg, auch wenn noch Blätter leer sind. Das ist schon ein bisschen Verschwendung. Früher hatten die Menschen keinen Kühlschrank und keinen Supermarkt. Sie mussten viel mehr selbst pflanzen und dann im Keller aufbewahren. Wir haben bei der Naturschutzjugend auch gepflanzt: Kräuter und Bohnen und Kartoffeln. Die haben wir geerntet und selbst gegessen. Wir sind mit dem Leiterwagen losgezogen und haben Äpfel gesammelt. Den Saft haben wir in einer großen Presse herausgequetscht. Er war leckerer als der Saft, den man kaufen kann. Die Kinder früher haben mehr draußen gespielt. Es gibt so ein Spiel, da halten zwei ein Seil und drehen es und einer springt in der Mitte. Es gab früher ja keine Playstation und kein Handy. Ich glaube, mein Leben heute ist schon fauler. Ich spiele manchmal drinnen mit dem Handy. Aber draußen Feuer machen und Stockbrot backen oder was schnitzen, das gefällt mir gut.“

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