Action gegen Abfall

Jugendliche aus mehreren europäischen Ländern sind für eine Woche zusammengekommen – mit dem Ziel, gemeinsam das Problem der wachsenden Müllberge anzupacken //

Es ist ein sonniger Samstag im Februar, als sich eine Gruppe junger Menschen am Stuttgarter Schlossplatz trifft. Sie wollen auf etwas hinweisen, das ihnen allen am Herzen liegt. Dazu zeigen die Jugendlichen Plakate und Schilder, die auf Englisch die Verschmutzung der Umwelt durch Müll anprangern. „Go zero“ („Auf null gehen“) und „Shop less, think more“ („Weniger einkaufen, mehr nachdenken“) ist darauf zu lesen. Und die mahnenden Sprüche zeigen Wirkung: Viele Menschen bleiben stehen, manche suchen das Gespräch mit den jungen Aktivistinnen und Aktivisten.

Junge Menschen demonstrieren auf dem Stuttgarter Schlossplatz für Umweltschutz
Eindeutige Botschaften: Die Jugendlichen möchten mit ihren Aktionen das Bewusstsein für Müllvermeidung schärfen

Die spielen demonstrativ mit einem Ball aus Papier, ein Mädchen mit grellbunten Ketten, Ringen und Armreifen am Körper tanzt dazu temperamentvoll durch die Fußgängerzone. Die auffällige Aktion haben sich die jungen Leute selbst ausgedacht – und mit viel Engagement vorbereitet. Sie wollen Aufmerksamkeit für ihr Anliegen erregen: Die Papierkugel ist prall gefüllt mit Abfällen. Und auch die bizarren Accessoires der blonden Tänzerin sind aus Unrat gebastelt.

„Viele wertvolle Ressourcen werden verschwendet, etwa für unnötige Verpackungen“, klagen die Aktivisten. „Sie landen letztlich im Müll und verschmutzen Straßen, Parks, Flüsse und Meer.“ Ein Beispiel ist die Donau, die tonnenweise Mikroplastik quer durch Europa schwemmt – eine Gefahr nicht nur für Fische und ihre Larven. Die Donau (englisch: Danube) dient als Symbol für das Projekt „Go Zero, Danube!“, das die jungen Leute in Baden-Württemberg zusammengebracht hat. Organisiert hat es der Mannheimer Verein Starkmacher e. V. – die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt das Projekt, dessen Höhepunkt die öffentliche Inszenierung am Stuttgarter Schlossplatz war, im Rahmen des Programms Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft.

Die Teilnehmer kommen aus Ländern des Donauraums: aus Deutschland, Rumänien, Serbien und der Ukraine. Was sie mitbringen, sind vielfältige persönliche Erfahrungen zum Umgang mit Abfällen in ihrer Heimat. Was sie verbindet, ist der Wunsch, etwas dagegen zu tun. Dazu haben sie gemeinsam eine Woche im Südwesten verbracht. In Workshops tauschten sie sich über Ideen und Strategien gegen die wachsenden Müllberge aus. Sie diskutierten über Mülltrennung und -vermeidung, Upcycling und Zero Waste. Gemeinsame Ausflüge führten die Jugendlichen unter anderem in einen Unverpackt-Laden nach Reutlingen, wo komplett auf Verpackung verzichtet wird.

Bewerben konnten sich die Teilnehmer in ihren Heimatländern. Dort werden im Lauf des Jahres noch zwei weitere Veranstaltungen folgen: im Juni in der Ukraine und im November in Rumänien. Das Ziel: Die Jugendlichen sollen Multiplikatoren für das Thema werden, die Hand in Hand und über Ländergrenzen hinweg an einem Bewusstseinswandel arbeiten.

Text: Rolf Metzger. Fotos: Daniel Dürbeck.