Digitales Zukunftslabor

Seit Kurzem tourt ein Truck der besonderen Art durchs Land: expedition d steuert Schulen an, um Schülerinnen und Schüler mit der Digitalisierung im Beruf vertraut zu machen. //

Es ist ein imposanter Anblick, der sich überall dort bietet, wo dieses mächtige Gefährt Station macht. 17 Meter lang, 40 Tonnen schwer und zwei Stockwerke hoch: Das sind die Dimensionen des Trucks, den die Baden-Württemberg Stiftung seit Mai 2019 auf Tour durchs Land schickt. Doch noch eindrucksvoller sind seine inneren Werte. Denn das rollende Zukunftslabor ist voll beladen mit modernster digitaler Technik, die Einblick gibt in die künftige Arbeitswelt.

Ziel des Trucks sind Schulen zwischen Bodensee und Odenwald, Rhein und Ostalb, wo er Schülerinnen und Schülern verschiedener Klassenstufen eine ungewöhnliche Art des Unterrichts bietet. „Wir möchten den Jugendlichen vermitteln, dass ihre berufliche Zukunft von der Digitalisierung geprägt sein wird“, sagt Sabine Pfeifer von der Projektagentur Flad & Flad, die im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung das Konzept des Trucks entwickelt hat. Dieses basiert nicht auf dem Prinzip „Erklären und zuhören“, wie es im Frontalunterricht oft vorkommt. Stattdessen erkunden die Schülerinnen und Schüler das digitale Universum eigenständig und an etlichen spannenden Stationen.

Schülertrios auf kniffliger Tour

Dazu schließen sie sich zu kleinen Gruppen, etwa Dreierteams, zusammen und gehen so gemeinsam auf Tour durch den 50 Quadratmeter großen „Raum der Technologien“ im Untergeschoss des Trucks. Mit dabei hat jedes Schülertrio einen Tablet- Computer, der hilft, eine konkrete Aufgabe zu bewältigen, die typisch für die künftige digital dominierte Berufswelt ist. Die kann zum Beispiel lauten: Entwickelt ein zuverlässig und sicher funktionierendes autonomes Fahrzeug.

Was dazu nötig ist und wie die technischen Bausteine für das geforderte eigenständige Automobil funktionieren, erarbeiten sich die Jugendlichen selbst Schritt für Schritt. Sensoren, die eigenständig das Umfeld des Wagens überwachen und darauf achten, dass dem fahrerlosen Auto kein Fußgänger und kein anderes Fahrzeug in die Quere kommen, gehören ebenso zur Lernerfahrung wie die unverzichtbare verschlüsselte Kommunikation der Autos untereinander und der Einsatz von cleveren Robotern und 3D-Druckern bei ihrer Herstellung.

Am Ende der Tour, auf der fachkundige Coaches die Schüler und Lehrer begleiten, wissen die Jugendlichen um die Eigenheiten und Chancen der Digitalisierung. Dann erstellt jedes Team eine digitale Präsentation seiner Aufgabe. Die kann gleich bei einer abschließenden gemeinsamen Runde im Obergeschoss des Trucks die anderen Tourteilnehmer beeindrucken, lässt sich übers Web aber auch später im Unterricht oder zu Hause jederzeit nutzen.

Der neueste Clou 

expedition d ist der neueste Glanzpunkt in dem Programm Coaching4Future, das die Baden-Württemberg Stiftung gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und der Bundesagentur für Arbeit finanziert. Die mobile Experimentierwerkstatt ergänzt den bereits seit 2015 an Schulen eingesetzten Truck DISCOVER INDUSTRY, bei dem es um den modernen industriellen Produktentstehungsprozess geht. Er ist bei den Schulen im Land so begehrt, dass er immer lange im Voraus ausgebucht ist. Christoph Dahl, der Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, ist überzeugt: „Das wird bei unserem neuen Truck zur Digitalisierung genauso sein.“

Text: Rolf Metzger


Digitalisierung erleben

Unter expedition.digital kann man online nicht nur das Expeditionsmobil dank 360°-Technik wie im echten leben erkunden. Auch echte Berufe kann sich der User genau ansehen und etwa eine Nierenoperation miterleben, die Ärzte mithilfe eines Roboters durchführen. Eine Virtual-Reality-Entwicklerin stellt ihren Beruf vor, ein Bäckermeister zeigt die digitalisierte Backstube. Mittels VR-Brille lassen sich die digitalen Welten noch realer erfahren.