Was wurde eigentlich aus … Harry Ruf?

Herr Ruf, wie wurden Sie zum Erfinder?

Harry Ruf: Ich habe schon immer gern getüftelt. Anregungen geben mir alltägliche Dinge, die nicht optimal funktionieren. Dann versuche ich, sie zu verbessern. So habe ich mich darüber geärgert, dass Kabel beim Aufrollen auf eine Trommel häufig herausspringen – und eine Technik entwickelt, die das verhindert.

Sie haben sich mehrmals beim Artur Fischer Erfinderpreis beworben. Mit welchem Ergebnis?

Seit 2005 war ich dreimal dabei. In der Wertung der Jury kam ich zweimal auf den vierten und einmal auf den sechsten Platz – und bekam Anerkennung für meine Ideen. Für einen Preis als einer der drei Besten hat es aber nie gereicht.

Sind Sie enttäuscht darüber?

Nein, denn etwas anderes ist viel wichtiger: Etliche meiner Erfindungen sind erfolgreich am Markt. Das haben viele andere Erfinder nicht geschafft.

Woran liegt das?

Manche Erfindungen sind zu kompliziert. Das macht den Aufwand groß, die Produkte teuer – und erschwert die Vermarktung. Ich fokussiere mich auf einfache, aber wirkungsvolle Dinge.

Womit sind Sie besonders erfolgreich?

Zum einen mit der Technik zum Aufwickeln von Schläuchen. Zum anderen mit einer An- und Ausziehhilfe für medizinische Kompressionsstrümpfe, die bei Venenerkrankungen wie Krampfadern, Thrombosen oder Entzündungen Anwendung finden.

Was ist daran neu?

Die Besonderheit ist, dass das von mir entwickelte Gerät beides kann: die Strümpfe an- und wieder ausziehen. Das ist vor allem für ältere Menschen kaum allein zu bewältigen. Viele brauchen dabei die Unterstützung durch einen Pflegedienst. Mit meiner Erfindung muss man das Bein – anders als bei anderen Produkten – zum Ausziehen nicht nach oben bewegen, sondern kann die Strümpfe horizontal nach hinten ausziehen. Das gelingt auch Menschen, die nicht so beweglich sind.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Im Prinzip war es eine „Auftragsarbeit“ für meine Schwiegermutter. Die trägt seit Jahren Kompressionsstrümpfe. Beim An- und Ausziehen hatte ihr stets mein Schwiegervater geholfen. Als er wegen einer Hüftoperation für einige Zeit ins Krankenhaus musste, bat mich meine Schwiegermutter, ein einfaches Hilfsmittel zu entwickeln. Das habe ich getan.

Wie ging es dann weiter?

Erst habe ich meine Erfindung zum Patent angemeldet, dann führte ich sie in einem Sanitätshaus vor. Dort war man begeistert und empfahl mir, Kontakt zu einer Firma aufzunehmen, die sich auf medizinische Kompressionsstrümpfe spezialisiert hat. Die Vorstellung meiner Erfindung dort war ein Volltreffer. Nun vertreibt die Firma mein Produkt.

Hat Ihnen die Teilnahme am Artur Fischer Erfinderpreis geholfen?

Die Anerkennung durch die Jury war sehr hilfreich. Zum einen hat sie mir bestätigt, dass ich ein gutes und nützliches Produkt entwickelt hatte. Zum anderen ist es ein Gütesiegel und ein Riesenvorteil bei der Vermarktung.

Haben Sie schon neue Ideen?

Mir kommen ständig neue Ideen, was sich verbessern ließe – etwa beim Zahnarzt oder beim Anleinen von Hunden. Ich tüftle an vielen Lösungen, aber mehr will ich nicht verraten.

Interview: Rolf Metzger. Foto: Daniel Dürbeck.


 

Zur Person

Harry Ruf aus Dormettingen im Zollernalbkreis war dreimal beim Artur Fischer Erfinderpreis dabei. Unter die prämierten ersten drei Plätze hat es der leidenschaftliche Tüftler zwar nie geschafft, doch mit manchen seiner Erfindungen ist der gelernte CNC-Programmierer – ein Experte für computergestützte Maschinensteuerung – inzwischen sehr erfolgreich. Ein Beispiel ist eine leicht handhabbare An- und Ausziehhilfe für Kompressionsstrümpfe.