„Heute habe ich viel erreicht“

Rolf Würzberger, 43 Jahre, Vollzugsbeamter, seit 2009 in der JVA Adelsheim //
„Ich habe von Anfang an hinter dem neuen Konzept vom Q-Bau gestanden, auch wenn ich nicht wusste, ob es funktionieren wird. Heute sprechen die Resultate für uns: Die Insassen sind zugänglicher, es gibt viel weniger Meldungen über Vorkommnisse.

Klar, es hat zuerst für Irritationen gesorgt, dass wir weniger Inhaftierte hatten und einen höheren Personalschlüssel. Heute wissen alle: Wenn Du drei Tage im Q-Bau geschafft hast, dann ist das wie eine Woche in einem anderen Hafthaus. Einfach, weil es viel intensiver ist, wenn Du mit jemandem auf Beziehungsebene arbeitest. Und hier sind halt die wirklich harten Fälle, hier hast Du extrem schwankende Stimmungen, mit denen Du umgehen musst.

Der normale Regelvollzug ist stark reglementiert. Im Q-Bau agieren wir viel situativer und schauen immer wieder neu: Was ist jetzt sinnvoll? Verstärkung oder Sanktion? Tiere, Musik, Sport? Das sind Diskussionen im gesamten Team, alle Professionen miteinander.

Früher habe ich mir als Uniformierter viele Beschimpfungen angehört. All cops are bastards. Heute spiele ich abends mit den Jugendlichen Fußball. Das ist fast wie draußen. Und wenn ich heimgehe, habe ich oft das Gefühl: Das war cool, heute habe ich viel erreicht.

In meiner Ausbildung zum Beamten habe ich gelernt, dass Sicherheit besonders wichtig ist. Jetzt habe ich im Job einen ganz anderen Gestaltungsspielraum. Das macht es viel erfüllender. Vor zwei Jahren ist mein Vater gestorben. Von den Jungs habe ich eine Karte bekommen, auf der alle unterschrieben hatten. Wir wünschen Ihnen viel Kraft stand drauf. Da habe ich geschluckt.“


Die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt die JVA Adelsheim seit einigen Jahren dabei, neue Ansätze im Jugendvollzug zu erproben. Mit dem „Start-Up“-Programm, das im so genannten Q-Bau abläuft, erfahren psychisch auffällige Jugendliche eine intensive Beziehungsarbeit. Hier wird u.a. mit tiergestützter Pädagogik gearbeitet.

Ein weiteres Programm, mit dem Namen Reset, richtet sich an Jugendliche, die durch ausgesprochen aggressives Verhalten auffallen oder die Arbeit verweigern. Dabei verlassen die Insassen für vier bis sechs Wochen ihr gewohntes Umfeld und werden in einer kleinen Gruppe besonders intensiv betreut.

Diese neuen Ansätze verändern die Arbeit der Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt immens. Was motiviert die Menschen, im Knast neue Wege zu gehen? Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.