„Manchmal hilft ein einziges Gespräch“

Ute Breymann, 53 Jahre, Kreativtherapeutin, seit 2017 in der JVA Adelsheim

„Es gibt Schicksale im Knast, die gehen Dir unter die Haut. Da ist es wichtig, gut für sich selbst zu sorgen. Sich abzugrenzen und nicht alles mit nach Hause zu nehmen. Und gleichzeitig die Menschen hier wirklich zu sehen und zu achten. Ich denke, das ist meine Stärke: mein Gegenüber mit seinen Problemen ernst zu nehmen.

Genauso nehme ich die Kollegen ernst, die Reset nicht verstehen. Für manche, die hier schon sehr lange arbeiten, steht halt die Strafe im Vordergrund. Ein Bild zu malen, Theater zu spielen oder zu trommeln – das passt nicht in das Schema von Bestrafung.

Mir gibt es ganz viel Kraft, wenn ich die Rückmeldung bekomme, dass die jungen Männer sich nach dem Reset anders verhalten. Sich besser regulieren können. Die ganzen Ausbrüche und die Aggressionen haben ja ihre Gründe. Oft stecken tiefe Verletzungen dahinter. Ich helfe den Jungs, sich selber besser kennenzulernen. Genauer auf sich zu schauen. Das ist für manche sehr schmerzhaft. Da ist oft ganz viel Selbsthass. Sich selber schätzen zu lernen, das ist ein langer Prozess.

Es gibt Jugendliche, die halten den Kontakt, auch wenn sie wieder draußen sind. Schreiben Briefe oder rufen an. Wenn sie sich bei Problemen melden, dann ist das gigantisch. Weil sie merken, dass sie Unterstützung brauchen. Manchmal hilft ein einziges Gespräch, und Du kannst jemandem einen guten Weg weisen. So dass er sich nicht weiter reinreitet. Sondern die Dinge klärt und Verantwortung für sein Leben übernimmt.“


Die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt die JVA Adelsheim seit einigen Jahren dabei, neue Ansätze im Jugendvollzug zu erproben. Mit dem „Start-Up“-Programm, das im so genannten Q-Bau abläuft, erfahren psychisch auffällige Jugendliche eine intensive Beziehungsarbeit. Hier wird u.a. mit tiergestützter Pädagogik gearbeitet.

Ein weiteres Programm, mit dem Namen Reset, richtet sich an Jugendliche, die durch ausgesprochen aggressives Verhalten auffallen oder die Arbeit verweigern. Dabei verlassen die Insassen für vier bis sechs Wochen ihr gewohntes Umfeld und werden in einer kleinen Gruppe besonders intensiv betreut.

Diese neuen Ansätze verändern die Arbeit der Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt immens. Was motiviert die Menschen, im Knast neue Wege zu gehen? Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.