„Supernett, lustig und fast nichts peinlich“

Freundschaft von zwei Seiten // Teofila Habeck und Paul Grosheny

Teofila Habeck, 14, und Paul Grosheny, 14, sind Klassenkameraden und Freunde. Sie besuchen das deutsch-französische Oberrhein-Gymnasium in Weil am Rhein und gehen in die neunte Klasse. Teofila lebt auf der deutschen Seite in Haltingen, Paul im französischen Saint-Louis.

Über Freundschaft

Paul: Seitdem ich in Deutschland zur Schule gehe, hat sich der Kontakt zu einigen früheren Schulfreunden aus Frankreich verändert. Ich sehe sie seitdem leider seltener. Dafür habe ich neue Freunde gewonnen. Ich bin seit der fünften Klasse auf dem Oberrhein-Gymnasium. Vier weitere Mitschüler sind aus Frankreich, so wie ich. Die anderen sind aus Deutschland – so wie Teofila. Sie ist supernett, lustig, sehr offen – und ihr ist fast nichts peinlich.

 

Teofila: Wir sind zusammen in einem Freundeskreis mit Schülern aus Deutschland und Frankreich. Wir gehen oft Bowlen oder ins Kino, treffen uns am Wochenende. Paul ist jemand, der sehr gern anderen hilft und andere unterstützt. Das mag ich besonders an ihm.

Über Sprache

Teofila: Ich liebe die französische Sprache. Mit zwei Jahren sind meine Eltern und ich von Berlin nach Weil am Rhein gezogen. Ab der ersten Klasse hatte ich Französisch und immer sehr gute Noten. Ich wollte deshalb auf eine zweisprachige Schule gehen. Meine Eltern finden das cool, dass ich mich so dafür interessiere – obwohl sie die Sprache kaum sprechen. Der bilinguale Unterricht gefällt mir sehr: Wir haben zum Beispiel Gemeinschaftskunde auf Französisch. Wir deutschen Schüler müssen uns natürlich mehr mit den Vokabeln befassen. Bei Gruppenarbeiten ist in jedem Team ein Muttersprachler, den wir fragen können, wenn man nicht weiterkommt.

Paul: Es ist ein Vorteil für mich als Muttersprachler, dass wir im Unterricht so viel Französisch sprechen. Auf Französisch kann ich mich besser ausdrücken, vermutlich, weil ich früher in Frankreich auf der Schule war und als Kind mehr Französisch geredet habe. Ich denke und träume auch fast immer auf Französisch. Meine Mutter findet das deutsche Schulsystem besser. Deswegen bin ich in Weil am Rhein auf der Schule. Ich fahre täglich über die Grenzbrücke. Zur Schule sind es mit dem Rad nur zwanzig Minuten. Der Wechsel von einem Land zum anderen ist seit vier Jahren Alltag.

Über Heimat

Teofila: Heimat ist nicht fest definiert für mich. Sie kann überall sein, wo ich mich zuhause fühle: bei einer Freundin in der Schweiz oder in Frankreich. Wo ich mich heimisch fühle, hängt eher von den Menschen ab, die mich umgeben.

Paul: Mein Vater ist Franzose, meine Mutter Deutsche. Die französische Hymne kann ich auswendig, von der deutschen nur den Anfang. Wenn Frankreich und Deutschland Fußball gegeneinander spielen, feuere ich immer die französische  Nationalmannschaft an. Ich habe eine stärkere Bindung zu Frankreich, ich identifiziere mich mehr damit. Hier bin ich aufgewachsen, hier lebe ich schon immer, auch wenn ich in Lörrach geboren bin.

Über Zukunft

Teofila: Am liebsten möchte ich Ärztin werden oder Schauspielerin.  Doch mein ganz großer Traum nach der Schule ist ein Auslandsjahr in Frankreich, am liebsten in Paris. Ich will unbedingt auf den Eiffelturm und ins Louvre. Ich liebe Kunst und Museen, alte Gemälde. Natürlich will ich die Mona Lisa sehen – und neue Menschen kennenlernen.

Paul: Ich will später meine eigene Firma gründen, das wäre mein Ziel. Oder Pilot werden. Ich will auf jeden Fall in Frankreich bleiben. Später könnte ich mir auch gut vorstellen, in der Schweiz zu leben. Ich finde das Land sehr cool.

Über Europa

Paul: Dass alle gleichberechtigt werden und wir vereint sind, das bedeutet für mich Europa. Europa steht für mich für den Austausch zwischen den Ländern. Es ist einfach dumm, sich zu bekriegen.

Teofila: Früher dachte ich, Europa ist eben der Kontinent auf dem ich lebe. Doch wenn man sich näher mit der Geschichte befasst, aber auch mit den Problemen heute, mit den Wirtschaftskrisen, macht mich das nachdenklich. Mittlerweile weiß ich, wie froh wir sein können, dass wir in Frieden leben.

Protokoll: Isabel Stettin Fotos: Wilma Leskowitsch, Fabian Fiechter