Wofür es sich einzusetzen lohnt

Pulse of Europe wirbt für hohe Wahlbeteiligung am 26. Mai //

Von Dr. Daniel Röder mit Joachim Sina und Karl-Burkhard Haus //

Ihre individuelle Freiheit liegt Ihnen am Herzen?

Die Würde jedes einzelnen Menschen sei unantastbar, finden Sie? Dass einige gleicher sind als andere, hat Sie in der Schule schon gestört? Sie wollen mitbestimmen, sie legen Wert auf demokratische Teilhabe, alle Macht soll vom Volk ausgehen?

Vielleicht sind Sie homosexuell, Ihre Haut ist nicht weiß oder Sie haben – sagen wir mal – einen sehr ausgefallenen Geschmack? Wollen Sie in einem Land leben, wo Conchita Wurst den Eurovision Song Contest gewinnen kann oder wäre es Ihnen lieber, dass solche Künstlerpersönlichkeiten mit Auftrittsverboten belegt werden?

Umweltstandards können die zunehmende Verschmutzung der Erde aufhalten, die Artenvielfalt darf Ihrer Meinung nach nicht weiter zurückgehen, der Klimawandel muss gestoppt werden?

Sie glauben, dass die Einkommensunterschiede innerhalb der Europäischen Union einen großen sozialen Sprengstoff darstellen und wünschen sich deshalb, dass die Lebensverhältnisse allmählich angeglichen werden?

Sie machen sich Sorgen über die Verschiebungen in der Weltordnung? Wie kann die Europäische Union eine bedeutende Stellung behalten und die Werte, die uns wichtig sind, verteidigen? Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit von Frauen und Männern, Presse- und Versammlungsfreiheit, Schutz der natürlichen Umwelt, Menschenrechte und vieles mehr sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern mühsam erkämpfte Errungenschaften, die Sie nicht in Frage gestellt sehen wollen?

Denken Sie bitte über solche Beispiele nach und fragen Sie sich, wie Sie leben möchten. Bei der Wahl zum Europäischen Parlament geht es um genau diese Fragen, denn es bewerben sich Personen mit autoritären, identitären, sexistischen, homophoben, fremdenfeindlichen, umweltschädlichen und rückwärtsgewandten Ansichten um Sitze in dieser einzigen demokratisch legitimierten Institution der EU, und sie haben leider laut Umfragen gute Chancen für ihre Blockadehaltung. Ihr Stimmenanteil sollte jedoch möglichst kleingehalten werden, denn sie wollen das Parlament und letztlich die Union abschaffen. Nur wenn viel mehr moderate, vernünftige Menschen als bei vergangenen Wahlen an die Urnen gehen, kann die Zuwachsrate der Extremisten kleingehalten werden. Radikale Feinde der EU werden es bestimmt schaffen, ihre verblendete, belogene Anhängerschaft zu mobilisieren. Diesen Triumph gönnen wir ihnen nicht, denn Gegnerschaft zur Demokratie, zu Andersdenkenden, zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft darf kein Wahlprogramm für den Einzug in das Europäische Parlament sein. Für diese hasserfüllten Menschen wäre jeder der blauen Sessel zu schade!

Eine Weiterentwicklung, eine kluge und dynamische Europäisierung ist das einzig wahre Zukunftsmodell. Nur gemeinsam können die Mitgliedsländer die Lebensverhältnisse auf unserem Kontinent verbessern und unsere klare Stimme im Konzert der Mächte, das zunehmend falsch klingt, laut machen. Allein erreicht selbst ein starkes Deutschland gar nichts. Nach den entsetzlichen Weltkriegen ist unser Land in der Gemeinschaft der Staaten Europas zu dem geworden, wofür uns heute viele bewundern. Umgeben von zahlreichen Nachbarn und gestützt auf eine exportorientierte Wirtschaft ist es nur sinnvoll zu kooperieren, anstatt mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

Wir leben mitten in der Globalisierung – das kann man bedrohlich finden und besorgt über das Abschleifen deutscher Eigenheiten sein. Mitgestalten kann Deutschland aber nur innerhalb der Europäischen Union. Sich hinter Mauern zu verschanzen schützt keinen Trachtenverein, keinen Dresdner Christstollen und keinen Bocksbeutel. Die vielen europäischen Normen – oft verflucht – kümmern sich auch darum, dass regionale Eigenheiten erhalten bleiben. Die EU will Diversität, es ist sogar ihr Motto: in diversity united. In so viele große und kleine lokale Projekte fließt Geld aus Brüssel; es ist nicht zu glauben, wie undankbar die sturen Nationalisten sind, die das ignorieren. Stattdessen werden diffuse Ängste geschürt, dass Polen, Italien, Ungarn oder auch Deutschland verschwimmen, verlorengehen, sich auflösen würden. „Nur gemeinsam sind wir stark“ ist kein Allgemeinplatz, sondern eine lebensnotwendige Einsicht.

Natürlich gibt es Probleme. Und alles geht viel zu langsam. Darum muss man jedoch nicht alles kaputt schlagen. Der Schauspieler Bully Herbig hat bei einer Kundgebung von Pulse of Europe in München gefragt: „Wenn Ihnen in einem Restaurant das Essen nicht geschmeckt hat, dann sprengen Sie doch auch nicht den Laden in die Luft?“ Nehmen Sie also am 26. Mai ihr Stimmrecht wahr, setzen Sie sich für ein starkes Europäisches Parlament ein und wenden Sie sich gegen das dumme Stammtischgerede, das sich überall breitmacht. Wir brauchen die Europäische Union, und sie braucht enthusiastische Bürgerinnen und Bürger, die zusammen und kraftvoll eine gerechte und lebenswerte Zukunft bauen wollen.

Als gemeinnützige und vielfach ausgezeichnete Bürgerbewegung hat Pulse of Europe e.V. eine Kampagne zur Europawahl entwickelt. Die Motive finden Sie unter: https://pulseofeurope.eu/europawahl/. Für die mediale Verbreitung der Kampagne im Netz und auf den Straßen ist der Verein auf Fördergelder angewiesen. Auskunft dazu gibt gerne Joachim Sina joachim.sina@pulseofeurope.eu


Über die Autoren

Dr. Daniel Röder und Karl-Burkhard Haus sind Mitbegründer von Pulse of Europe, einer 2016 ins Leben gerufenen europaweiten Bürgerbewegung. Joachim Sina ist Mitglied im Vorstand, dem Röder aktuell vorsitzt.